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27. Februar 2008, 19:26 Uhr, Kmuaf

Eine Wesenheit

Staubfetzen hingen in der Luft, düsteren Gedanken gleich – auch von diesen gab es genug. Alle Unebenheiten des Bodens warfen neue Fragen auf, und das ferne Donnern gab eine zynische Antwort.
Der Ort war mehrmals umzäunt worden, doch niemand hatte sich die Mühe gemacht, die Zäune instandzuhalten. Zerbeult hingen sie zwischen den Bäumen, deren Äste morsch am Boden lagen.
Etwas wohnte hier. Es war klein, durchaus nicht niedlich, eher hässlich – wie man das wohl beurteilen will! – vielleicht sogar schelmisch, sicher aber nicht böse. Die meiste Zeit saß es am Boden, den Blick zum Himmel aufgerichtet in einer stummen Geste der verhaltenen Bosheit. Seine Zunge tastete zwischen den Grashalmen umher, und stets zeigte sich an seiner Miene, was es da so fand an Unrat und Leckereien.
Wieder donnerte es, etwas leiser als zuvor. Die Unwetter machten sich nicht die Mühe, sich um so kleine Angelegenheiten zu kümmern. Nichtbeachtung war die einzige Behandlung, die das kleine Wesen in seinem kurzen Leben je gekannt hatte.
Es war gerade erst aus einem Loch gekrochen, geboren von einer kranken Mutter Erde, und schaute sich mit unverhohlener Angst um. Niemand war da. Bald begann es sich in dieser Wolke aus Staub wohlzufühlen. Es dachte sogar darüber nach, ob dieser Ort wohl gerade für es geschaffen worden war.
Es haderte niemals mit seinem Schicksal; hatte es ihm doch einen Platz in der Welt beschert, der nur ihm alleine gehörte. Das war ein sehr beruhigender Gedanke, und da es also keine weiteren Sorgen hatte, begann es, sich mit diesem Ort zu identifizieren.
Dieser Ast dort drüben, und auch dieses Stück verfaultes Moos, der Draht, der in seltsamen Winkeln aus dem Zaun hervorsteht, all das wurde für das kleine Wesen zu einem Teil seiner selbst. Und es war zufrieden, dass nicht nur es selbst, sondern auch all die anderen Dinge einen Platz in der Welt hatten, der ihnen gebührte.
Etwas Bewegung geriet in die Staubfetzen, als der Wind anhub, und die Unruhe hielt Einzug in die Welt des kleinen Wesens, das sich nun zitternd in einem Loch versteckte. Aber es verzeifelte nicht, denn es nährte sich von einer schier unendlichen Quelle der Hoffnung, die da wäre die Dummheit.
Und siehe, es hatte recht:
Der Wind flaute ab, und das kleine Wesen wurde, als es dankbar aus seinem Refugium kroch, von einem fallenden Ast erschlagen.

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18. Juni 2007, 19:12 Uhr, Kmuaf

Abgebrochen

Eine brave Gewandheit, die mich da umfängt. Geradezu närrisch. Windet sich um mich, lässt tanzen in ihrem Irrsinn.
Die Tür geht auf.
Halte ein in meinem Tanz. Die faste Fröhlichkeit, die hat mich taub gemacht. taub für jenen Stoß, den die Kralle mir gibt. Falle in die Ecke. Bin tot. Zum Schein.
Er geht wieder. Mein Schauspiel hat überzeugt. Ruhe ist wieder da, zu ihrem Rhythmus tanze ich. Drehend wie ein Kreisel, und zufrieden in meinem frischem Ansinnen.
Die Tür fällt zu.
Wenn sie bis jetzt offen gewesen ist, so ist das nicht meine Schuld. Sie war zu. Habe es gesehen.
Nicht mehr fürchten braucht der Kreisel. Er wird schon nicht fallen. Dafür sorgt die Fliehkraft. Er fliegt davon.
Dreht sich im Wind. Wenn es einen Weg gäbe, wäre er so. Oben.
Da ist keine Wand. Alles herum ist nur eingebildet.
Alles dreht sich mit mir.
Nicht alles. Fast alles. Der Schlüssel verharrt in seinem Gesang. Es ist nicht emin Schlüssel. Seine Tür führt nirgendwohin. Von dort bin ich gekommen.
Aber die Tür ist ja wieder zu. Sie ist nicht, aber wenn, dann zu.
Geschlossen.
Obwohl da gar nichts ist, was sie wegschließen könnte.
Man braucht sich nur umzudrehen, um zu sehen, dass da gar nichts ist.
Die Frage ist nur, wie weit.
Und weiter.
Ist auch eine Richtung. So herum. Geschwindigkeit. Ein satter Eindruck.
Mitten in der Lacke sitzt jemand. Er hält sich für groß. Er ist auch groß. Aber er hält sich dafür.
Es soll nicht daran liegen. Er ist gar nicht so unfreundlich. Er hält sich für freundlich.
Vielleicht lebt er noch.
Vielleicht dreht er sich noch. Der Kreisel. Irgendwann.
Er schaut. Das ist nicht gut. Er kann schauen. Aber nicht hierher. Und nicht jetzt. Er hält sich für weitsichtig.
Aber wer hält ihn für?
Wer hält ihn für?
Ein Spalt. Die Tür geht wieder auf. Sie war nie zu.
Kralle greift. Er hält sich für stark.
Kralle nimmt mich, trägt mich fort.
Nimm und drehe dich!
Die Frage bliebt zurück. Steht im Raum.
Vorsicht!
Er hält mich für vorsichtig. Er weiß nicht, was Rücksicht ist. Er besticht durch seine Kraft. Er lässt sich nicht bestechen. Er ist unbestechlich.
Er ist unbegreiflich.
Kralle geht wieder.
Glaube kehrt. Besen sprechen Muster am Boden. Verstehe ihre Sprache nicht. Will sie nicht verstehen.
Es bleibt ein Wunder, das niemand sieht.

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